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Quelle: Evkaz/istock.com
Technik
02.08.2022
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Dr.-Ing. Hartmut Schmoor im Interview

„Löt­technik ist gut auf­ge­stellt“

Anlässlich der internationalen Fachkonferenz LÖT 2022 im Mai in Aachen war das Interesse an der Fachgesellschaft Löten im DVS (FG Löten) sehr groß. Sie unterstützt die Konferenz zum Hartlöten, Hochtemperaturlöten und Diffusionsschweißen inhaltlich seit mehr als 20 Jahren.

 

Ein Interview zwischen Dr.-Ing. Hartmut Schmoor, dem Vorsitzenden der FG Löten, und Dr.-Ing. Harald Krappitz gibt Einblicke in die Aufgaben, die Bedeutung und die Ziele des löttechnischen Netzwerks.

Herr Dr. Schmoor, warum wurde die Fachgesellschaft Löten im DVS gegründet?

Die Fachgesellschaft Löten wurde am 7. Oktober 1998 in Düsseldorf gegründet. Das geschah auf Initiative hauptsächlich von Hans van’t Hoen, von Siegbert Kunde, unserem inzwischen bereits verstorbenen Ehrenmitglied Jürgen Gamalski und dem damaligen Hauptgeschäftsführer des DVS, Professor Dr. Detlef von Hofe.
Als die Fachgesellschaft Löten gegründet wurde, hatte sie es sich vor allem zum Ziel gesetzt, die nationale und europäische Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet der Löttechnik zu fördern und zu bündeln sowie die Synergieeffekte zu nutzen, die sich daraus ergeben. Sie führt die technisch-wissenschaftlichen Aktivitäten des DVS in den Bereichen der Regelwerksarbeit, Ausbildung und Prüfung, Forschung und Entwicklung, Technologie- und Wissenstransfer zusammen und vertritt diese als gesamtheitliches Konzept gegenüber Fachwelt und Öffentlichkeit.
 

Wie viele Mitglieder hat die Fachgesellschaft Löten aktuell?

Die Fachgesellschaft zählt mittlerweile 70 Mitglieder, bei denen es sich um 50 Firmenmitglieder und 20 persönliche Mitglieder handelt. Bei den Firmen sind Lothersteller, Anlagenhersteller, Dienstleister aus dem Gebiet der Löttechnik und industrielle Anwender vertreten. Gerade diese Mischung bietet den Mitgliedern die Möglichkeit des fachlich kompetenten Austausches zu allen löttechnischen Themen, und zwar sowohl zum Weichlöten als auch zum Hartlöten.

 

Welche Aufgaben übernimmt die Fachgesellschaft konkret?

Eine wesentliche Aufgabe ist die nachhaltige Förderung des Lötens als Fertigungsprozess. Hierzu führen die Mitglieder der Fachgesellschaft Löten unter anderem Fachseminare durch und werben auf ihren Webseiten für ihr löttechnisches Know-how.

Darüber hinaus wird die Normungsarbeit fachlich und finanziell unterstützt. Das Sekretariat des ISO-Komitees „Brazing materials and proceses“ (ISO/TC 44/SC13) liegt beim DIN und wird durch mehrere Mitglieder der Fachgesellschaft fachlich unterstützt. In diesem Komitee werden die internationalen Lot- und Flussmittelnormen, aber auch Normen zu Begriffen, Unregelmäßigkeiten, Prüfkörpern usw. erstellt bzw. überarbeitet.
Nicht zu vergessen ist das Erarbeiten von Schulungs- und Prüfungsunterlagen zur Qualifizierung von löttechnischem Fachpersonal. Das DVS-Buch „Hartlöten – eine Einführung“ wurde mit Hilfe zahlreicher Mitglieder der Fachgesellschaft erstellt. Das Buch wird dem Anspruch gerecht, sowohl Einsteiger mit dem Verfahren vertraut zu machen als auch die vielfachen Anwendungsmöglichkeiten der Löttechnik herauszustellen, die zu Innovationen und Fortschritt beitragen.

 

Welche Bedeutung hat das Thema Forschung in der Fachgesellschaft?

Mitglieder der Fachgesellschaft sind in den Fachausschüssen der DVS Forschung sowohl zum Weich- als auch zum Hartlöten sehr aktiv. Dies betrifft sowohl die Forschungsstellen als auch die Industrievertreter in den projektbegleitenden Ausschüssen.

Die Fachgesellschaft veranstaltet im Übrigen alle fünf Jahre ein Forschungsseminar, das sich intensiv mit der Zukunft des Lötens beschäftigt. Dazu werden Workshops zu einzelnen Themenfeldern wie Lötverfahren, Lotmaterial, Anlagentechnik oder Analytik durchgeführt und die Experten der Hart- und Weichlöttechnik zusammengeführt, um zukünftige Forschungsschwerpunkte für die Fachausschüsse „Löten“ und „Mikroverbindungstechnik“ zu erarbeiten. Die aufgearbeiteten Ergebnisse und die dazugehörige Dokumentation stehen selbstverständlich allen Mitgliedern zur Verfügung. Das nächste Forschungsseminar wird voraussichtlich 2023 wieder durchgeführt werden.

 

Die Fachgesellschaft ist also ein löttechnisches Netzwerk innerhalb des DVS?

Das ist eine sehr treffende Beschreibung. Wir verfolgen ja auch die fachspezifischen Belange hinsichtlich Arbeitssicherheit sowie Gesundheits- und Umweltschutz, unterstützen bei der Durchführung von Tagungen, Konferenzen und Symposien und sind Ansprechpartner für die DVS-Öffentlichkeitsarbeit zu allen lötbezogenen Themen. Die betrifft vor allem die fachliche Unterstützung der DVS-Druckschriften auf dem Gebiet der Löttechnik.

Die Mitglieder der Fachgesellschaft unterstützen sich gegenseitig bei allen löttechnischen Fragestellungen und sind auch gerne bereit, Nichtmitglieder bei ihren Themen zu helfen. Und wie jedes Netzwerk treffen wir uns gerne auf Veranstaltungen sowohl zum fachlichen als auch nicht-fachlichen Austausch.

 

Gibt es neben der LÖT weitere Veranstaltungen oder Veröffentlichungen der Fachgesellschaft?

In den „LÖT-freien“ Jahren veranstaltet die Fachgesellschaft parallel zu ihrer Mitgliederversammlung ein löttechnisches Forum, das sich mit den aktuellen Ergebnissen von Forschungsarbeiten beschäftigt. Zweimal jährlich erscheint ein Info-Service, unter anderem mit aktuellen Themen aus der Löttechnik, der löttechnischen Forschung sowie Veranstaltungen.

Welchen Herausforderungen sieht sich die Fachgesellschaft gegenüber, angesichts der Umbrüche im Bereich der Mobilität und der Energiewende?
Bereits heute ist die Löttechnik in diesen Bereichen gut aufgestellt, etwa bei der Fertigung von Wärmetauschern unterschiedlicher Art, wie sie in der Automobilindustrie auch künftig mit wachsender Bedeutung für das Thermomanagement benötigt werden. Ähnliches gilt für den Energiesektor, wo löttechnische Lösungen etwa im Bereich von Wärmetauschern, Brennstoffzellen oder der Wasserstoff-Elektrolyse wertvolle Lösungsansätze bieten. Wir werden diese Zukunftsthemen im Rahmen unseres Forschungsseminars, das für das kommende Jahr geplant ist, sicherlich noch vertieft betrachten.

 

Das Interview ist in der Fachzeitschrift SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN, Ausgabe 6/2022, erschienen. Es wurde von Dr.-Ing. Harald Krappitz mit Dr.-Ing. Hartmut Schmoor geführt.
Dr.-Ing. Harald Krappitz wurde in diesem Jahr mit dem DVS-Ehrenring, Dr.-Ing. Hartmut Schmoor mit dem Erich-Lugscheider-Award ausgezeichnet.
Die FG Löten feiert im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum.