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Technik
02.08.2021
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Porträt

Profes­sor Dr.-Ing. Michael Geh­de erhält Evgeny Paton Prize des IIW

Der diesjährige Preisträger des renommierten Evgeny Paton Prizes des International Institute of Welding (IIW) ist Professor Dr.-Ing. Michael Gehde. Der DVS freut sich mit ihm über die verdiente Auszeichnung – nicht zuletzt auch, weil es eine Wertschätzung seiner Arbeit in vielen DVS- und Normungsgremien ist.

„Es hat eine besondere Bedeutung, wenn man als ,Kunststoff-Mann‘ einen Preis vom International Institute of Welding erhält“, sagt Professor Dr.-Ing. Michael Gehde von der Technischen Universität Chemnitz mit einem Lächeln in der Stimme. „Meistens denkt man beim Schweißen an metallische Werkstoffe, die gefügt werden. Ich freue mich deshalb besonders, dass mit dem IIW-Award nun auch die Kunststoffe und meine Arbeit daran geehrt werden."

Der diesjährige Preisträger des renommierten Evgeny Paton Prizes ist stolz auf diese Auszeichnung und die damit verbundene internationale Anerkennung seiner Arbeit. Dabei ist dies für ihn nicht die erste Wertschätzung dieser Art. Professor Gehde hält zahlreiche Patente auf dem Gebiet der Kunststoffverarbeitung und des Kunststoffmaschinenbaus. Er ist Autor oder Mitautor von mehr als 350 Veröffentlichungen, Beiträgen in Fachzeitschriften, Tagungsbänden oder Postern.

Michael Gehde beendete 1987 sein Maschinenbaustudium und trat in das wissenschaftliche Personal des Instituts für Werkstofftechnik von Professor Ehrenstein an der Universität Kassel ein. 1989 wechselte er nach Erlangen. Dort promovierte Gehde mit einer Arbeit zum Thema „Extrusionsschweißen von Polypropylen“. Ergebnisse dieser Arbeit sind die genormte „Schmetterlingsdüse“ und der spezielle Schweißschuh zum Extrusionsschweißen von Polyolefinen. Der gefundene Kerbeinfluss einer Schweißnaht auf Rissentstehung und Lebensdauer in Abhängigkeit von der langsamen Rissausbreitung als Werkstoffeigenschaft führte zur Entwicklung der heute verwendeten Polyethylen-Typen mit hohem Widerstand gegen Rissausbreitung.

Nach zehn Jahren Tätigkeit in der Industrie zog es ihn im Jahr 2005 zurück zur Hochschullehre. An der Universität Chemnitz übernahm er die Professur für Kunststofftechnik an der Fakultät für Maschinenbau. Dort beschäftigt sich Professor Michael Gehde bis heute mit dem Prozess-Struktur-Eigenschafts-Verhältnis in der Kunststoffverarbeitung. Seine speziellen Forschungsgebiete sind Fügetechnologien wie Schweißen und mechanisches Befestigen, Spritzgießen von Thermoplasten und Duroplasten, Oberflächentechnologien, neue Werkstoffe und Recycling.

„Kunststoff hat ein enormes Potenzial und eine bedeutende Zukunft als Konstruktionswerkstoff“, sagt Professor Gehde voraus. „Und damit meine ich nicht die vielfältigen Wegwerfartikel aus Kunststoff, sondern das, was Kunststoff in Fragen der Materialzusammensetzung, der Verarbeitung, der Konstruktion oder der Prüfung zu bieten hat.“

Im DVS ist Professor Gehde bereits seit seinem Studium in den 1980er Jahren aktiv. So war er lange Jahre als Vorsitzender des Fachausschusses „Fügen von Kunststoffen“ in der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz: DVS Forschung, tätig. „Als Student war mir klar, dass ich nicht nur die theoretischen Grundlagen kennenlernen will, sondern auch die Menschen, die die industrielle Anwendung der Verfahren in der Praxis kennen. Menschen, die in der Branche etwas voranbringen. Deshalb es für mich selbstverständlich, dass ich mich im DVS engagiere.“

Im Laufe seines beruflichen Werdegangs sei auch eine andere, eher gesellschaftlich geprägte Komponente für ihn zu seinem DVS-Engagement hinzugekommen. „Man hat dann so etwas wie eine Verpflichtung, sein Wissen weiterzugeben und der Branche zur Verfügung zu stellen“, meint Professor Michael Gehde heute. Das sei für ihn auch die Motivation gewesen, an Normen und Standards zum Kunststofffügen über den DVS mitzuwirken. Acht Jahre war er Convenor der Europagremien CEN/TC 249/SC 5 Schweißen und Prüfen von Kunststoffen für die europäische Normung und entwickelte in der DVS-Arbeitsgruppe „Fügen von Kunststoffen“ zahlreiche Richtlinien und Merkblätter mit.

Professor Dr.-Ing. Michael Gehde wird mit dem Evgeny Paton Prize im Rahmen der IIW Awards 2021 für seine langjährige Arbeit ausgezeichnet. Mit diesem Preis werden Persönlichkeiten geehrt, die sich Zeit ihres Lebens in besonderem Maße für die Fügetechnik eingesetzt und so einen signifikanten Beitrag zur Forschung und Entwicklung fügetechnischer Technologien, Werkstoffe oder Anlagen geleistet haben.

Er ist einer von vier deutschen Ingenieuren, die sich in diesem Jahr über eine Auszeichnung des International Institute of Welding freuen können. Der Heinz Sossenheimer Software Innovation Award, den der DVS darüber hinaus ausgelobt hat, erhalten Feng Zhili und sein Team vom Oak Ridge National Laboratory/USA.