Beim diesjährigen Kolloquium „Gemeinsame Forschung in der Klebtechnik“ diskutierten rund 180 Fachleute aus Industrie und Wissenschaft über aktuelle Entwicklungen rund um Klebstoffe und Klebprozesse. Übersichtsvorträge, Präsentationen von Klebstoffherstellenden sowie Berichte aus Projekten der Industriellen Gemeinschaftsforschung gaben einen umfassenden Einblick in den Stand von Forschung und Anwendung. Das Kolloquium fand am 10. und 11. Februar 2026 im Maternushaus in Köln statt.
Der Gemeinschaftsausschuss Klebtechnik – bestehend aus den drei AIF-Forschungsvereinigungen (Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, FOSTA – Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V. und Internationaler Verein für Technische Holzfragen e. V. (iVTH)) sowie der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V. – veranstaltet das Kolloquium mit seinen Kooperationspartnern seit nunmehr einem Vierteljahrhundert. Hier erhalten Wissenschaftler, Entwickler, Hersteller und Anwender einen kompakten Überblick über laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte und können sich branchenübergreifend vernetzen.
Die Begrüßung und Eröffnung übernahm Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung. In Vertretung für Dr. Matthias Heider von der AIF Allianz für Industrie und Forschung sprach er auch das Grußwort zur Veranstaltung. Ein weiteres Grußwort steuerte Judith Hellhake, Abteilungsleiterin der Abteilung Innovationen im Mittelstand beim DLR Projektträger in Bonn, bei.
Einen besonderen Fokus seiner Eröffnung legte Jerzembeck auf die Forschungsroadmap Klebtechnik 2015–2025, die der Gemeinschaftsausschuss Klebtechnik vorgelegt hat. Er hob hervor, dass ihn die starke Präsenz der Themen Ausbildung, Weiterbildung und Kommunikation in einer Forschungsroadmap überrascht habe, betonte jedoch gleichzeitig deren hohe Relevanz:
„Die Roadmap bietet eine hervorragende Grundlage, um die zentralen Themen der Klebtechnik einzuordnen und sichtbar zu machen“, sagte Jens Jerzembeck.
Darüber hinaus unterstrich er, wie wichtig das Kolloquium für den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei. Es biete Unternehmen eine ideale Möglichkeit, neue Ideen und konkrete Bedarfe direkt an die wissenschaftlichen Einrichtungen heranzutragen. Mit Blick auf die Forschungsroadmap betonte er, dass es nun entscheidend sei, die darin formulierten Themen konsequent in neue Forschungsprojekte zu überführen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen galt dem Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, das in der aktuellen Roadmap eine zentrale Rolle einnimmt.
Jerzembeck machte in seiner Rede zudem deutlich, dass ein tiefes Verständnis der komplexen Zusammenhänge in der Klebtechnik Voraussetzung für Vertrauen in die Anwendung sei. Dazu seien sowohl verständliche, zielgruppengerechte Kommunikation als auch passgenaue Aus- und Fortbildungskonzepte notwendig.
„Klebtechnik ist als Querschnittstechnologie eine unverzichtbare Schlüsseltechnologie für die künftige Hightech-Ausrichtung Deutschlands“, sagte Jens Jerzembeck. „Sie ist eng mit der Entwicklung der produzierenden Branchen verzahnt und leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Wertschöpfung in unserem Land.“
Zudem hob er hervor, dass sich die Klebtechnik als wirtschaftlich relevante, seriöse und qualitativ herausragende Fügetechnik über zahlreiche Branchen hinweg etabliert habe. Angelehnt an die Schweißtechnik wurden – maßgeblich durch den DVS – Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Qualitätsstandards geschaffen, die die zuverlässige Anwendung der Klebtechnik nachhaltig sichern.
Er stellte darüber hinaus die Verankerung der Klebtechnik im DVS vor – in der DVS Forschung mit dem Fachausschuss (FA) 08, in der Bildung mit der DVS-Fachgruppe (FG) 4.1 sowie in der Technik mit der DVS-Arbeitsgruppe V 8. Damit spannt der Verband den Bogen von der Grundlagenforschung über die Qualifizierung bis hin zu anwendungsnahen technischen Regelwerken.
Das Kolloquium „Gemeinsame Forschung in der Klebtechnik“ hat auch in diesem Jahr gezeigt, wie wichtig der kontinuierliche Austausch zwischen Forschung, Industrie und Anwenderinnen und Anwendern ist, um innovative Lösungen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland langfristig zu sichern.
Die Vorträge bestanden aus einer Vielzahl von erfolgreichen Projekten der Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) von unterschiedlichen Forschungsvereinigungen. Die Fördermittel für die IGF und damit für die Möglichkeit zur Schaffung der vielfältigen inhaltlichen Basis für die Veranstaltung werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur Verfügung gestellt.
Das nächste Kolloquium ist geplant für den 16. und 17. Februar 2027.
Am 15. Februar 2027 findet der Workshop für Klebstoffanwender statt.
Schwerpunktthema „Klebtechnik im DVS“
Projektdatenbank der Industriellen Gemeinschaftsforschung
Titelbild: (v.l.) Dr. Gregor Nüsse (FOSTA), Judith Hellhake (DLR Projektträger), Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck (DVS Forschung); Bildquelle: DVS