Die Berliner Erklärung setzt ein deutliches Signal für die Bedeutung industrienaher Forschung in Deutschland. Für die Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung, ist sie ein deutliches Bekenntnis zu Innovation, Technologietransfer und der Wettbewerbsfähigkeit des industriellen Mittelstands. Die nachfolgende Erklärung wurde von der AIF – Allianz für Industrie und Forschung e. V. veröffentlicht.
„Die Forschungsinfrastruktur in Mittelstand und Industrie wird weiter geschwächt. Der Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu branchengestützten Forschungskapazitäten wird immer kleiner. Die über Jahrzehnte aufgebauten Netzwerke drohen mehr und mehr auseinanderzubrechen, weil der Bund nur ein halbherziges Bekenntnis zur Förderung der industriegetragenen Forschung im Mittelstand abgibt. So lässt sich ein zukunftsweisender Beitrag für ein nachhaltiges Wachstum in Deutschland nicht generieren“, betont Dr. Matthias Heider, Geschäftsführer der AIF – Allianz für Industrie und Forschung e.V., und zitiert die Berliner Erklärung der über 50 AIF-Forschungsvereinigungen vom 17. September 2026.
In einer vom flexiblen und agilen Mittelstand geprägten Wirtschaft ist die branchenübergreifende, technologieoffene und vorwettbewerbliche Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) das Werkzeug, um die Innovationskraft von Unternehmen aus Deutschland effektiv voranzubringen und zu stärken. Dieses weltweit einmalige und in Krisensituationen sehr bewährte Forschungsförderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zugunsten des Mittelstandes, von KMU, Startups und Industrieunternehmen wird von den Forschungsvereinigungen praxisnah umgesetzt.
„Nach über 70 Jahren IGF droht jetzt ein nie da gewesener Rücksetzer in der Arbeit der Forschungsvereinigungen. Die Fördermittel werden immer geringer, der personelle Aufwand steigt, ein Inflationsausgleich findet nicht statt, Antragsverfahren werden immer bürokratischer und sind wenig digitalisiert“, heißt es in der „Berliner Erklärung“ der AIF.
Die AIF – Allianz für Industrie und Forschung e.V. fordert deshalb die Politik auf,
„Gleiches gilt für das Schwesterprogramm, dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Der Antragsstopp muss schnellstmöglich aufgehoben werden“, fordert Heider wiederholt und erinnert daran, dass die Verzahnung von IGF und ZIM hohe Synergieeffekte erbringen könnte.
„Zehntausende Unternehmen forschen unter dem Dach unserer Forschungsvereinigungen, die man als ‚das Betriebssystem‘ der IGF beschreiben kann“, so Heider weiter und nennt einige Beispiele: In der Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V. (FOSTA) entwickeln Forschungsteams aus Universitäten und Unternehmen hybride Konstruktionen mit Stahl und beispielsweise Kunststoffen oder optimieren Techniken zur Stahlverarbeitung. Im Forschungskuratorium Textil e.V. (FKT) entstehen sichere Schutzkleidung für Polizei und Feuerwehr, spezielle Netze zur Dachbegrünung oder auch optimierte Textilbetonkonstruktionen. Im Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) wird nicht nur an Fermentationsverfahren zur Verwertung von Brotresten im Sauerteig oder an Fleisch- oder Palmölalternativen geforscht. „Die Liste von Innovationen hatte die Marke ‚Made in Germany‘ einmal groß gemacht und sollte auch künftig kein Ende nehmen“, erklärt der AIF-Geschäftsführer.
Die Branchen reichen von Automobilbau bis Zementproduktion. Dabei leisten die Gewerbe und Industrien der Forschungsvereinigungen einen bedeutenden Beitrag zur Wertschöpfung: beispielweise die kunststoffverarbeitende Industrie mit fast 70 Milliarden Euro, die stahl- und metallverarbeitende Industrie mit rund 130 Milliarden Euro, die Nichteisenmetallindustrie mit 68 Milliarden Euro oder die Füge-, Trenn- und Beschichtungsindustrie mit zirka 30 Milliarden Euro. Allein diese Industrien beschäftigen zusammen rund 1,5 Millionen Erwerbstätige.
Die Berliner Erklärung der AIF betont den unverzichtbaren Beitrag unserer Forschungsvereinigungen als Katalysatoren für Innovationen, die die Industrie wettbewerbsfähig machen und Deutschland als Innovationsstandort stärken. Sie bündeln Expertise aus Wissenschaft und Praxis und realisieren den breiten Transfer der Forschungsergebnisse in den gesamten Mittelstand. Um auch künftig die Erfolge der Industriellen Gemeinschaftsforschung zu sichern, muss die Politik dringend investieren – und zwar jetzt, für einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung“, appelliert der AIF-Geschäftsführer Dr. Matthias Heider mit Blick auf den Bundeshaushalt 2027.
Für die DVS Forschung unterstreicht die Berliner Erklärung die zentrale Rolle anwendungsnaher Forschung für die Bewältigung technologischer und wirtschaftlicher Transformationsprozesse. Insbesondere mittelständische Unternehmen sind auf starke Netzwerke zwischen Forschung und industrieller Praxis angewiesen, um Innovationen erfolgreich umzusetzen.
Die Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren des DVS e.V. ist Mitglied in der AIF, dem Dachverband industriegetragener Forschungsvereinigungen und als solcher ein branchenübergreifendes und technologieoffenes Netzwerk in Deutschland. Die AIF vertritt die Interessen der Forschungsvereinigungen und steht in engem Austausch mit politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Landesebene. Der Geschäftsführer der DVS Forschung, Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, gehört dem Präsidium der AIF an.
Die Erklärung wurde ursprünglich von der AIF veröffentlicht. Dieser Beitrag ergänzt die Veröffentlichung um eine Einordnung aus Sicht der DVS Forschung. Zum Originalbeitrag gelangen Sie hier.