Skip to main content

Metallschutzgasschweißen Regelwerksarbeit bietet Markttransparenz und Orientierung für Unternehmen

Wenn es um das Lichtbogenschweißen geht, führt an der DVS-Arbeitsgruppe (AG) V2 kein Weg vorbei. In diesem Gremium findet ein praxisnaher Austausch zwischen Fachleuten, die sich mit diesem Thema auskennen, statt. Sie erarbeiten technische Regelwerke und setzen Standards für den industriellen Einsatz. 

Insgesamt hat die DVS-Arbeitsgruppe sieben Untergruppen. In der Untergruppe AG V2.4 steht das Thema „Schutzgasschweißen mit abschmelzender Elektrode MIG/MAG“ im Mittelpunkt. Im Interview spricht der Obmann der AG V 2.4, Michael Schmitz, über aktuelle Herausforderungen beim Schutzgasschweißen und das im Juli 2026 veröffentlichte Merkblatt DVS 0973-1 „Übersicht der Prozessregelvarianten des MSG-Schweißens“. Dieses bietet Anwendern eine technologische Orientierung in einem Markt, der durch die rasante Entwicklung digital gesteuerter, programmierbarer Schweißgeräte zunehmend unübersichtlich geworden ist.

Herr Schmitz, mit welchen Themen befasst sich die von Ihnen geleitete DVS-Arbeitsgruppe?

Michael Schmitz: Das Themenspektrum der AG V 2.4 deckt die gesamte Bandbreite des Schutzgasschweißens mit abschmelzender Elektrode (MIG/MAG) ab – von den verfahrenstechnischen Grundlagen bis hin zu konkreten Anwendungshinweisen für die Praxis. Aktuell befassen wir uns beispielsweise mit den Grundlagen des MSG-Hochleistungsschweißens (DVS-Merkblatt 0909-1/-2), den Qualitätsanforderungen an die Anlagentechnik wie zum Beispiel Energiequellen und Drahtvorschubsysteme (DVS-Merkblatt 0926-1/-2) sowie der Einstellpraxis zur gezielten Beeinflussung der Nahtgeometrie (DVS-Merkblatt 0932).

Darüber hinaus widmen wir uns der Fehlervermeidung – etwa durch Standards zur Vermeidung von Bindefehlern und Poren beim Schweißen von Stahl (DVS-Merkblatt 0912-1/-2). Weitere Themen, die wir in unserer Arbeitsgruppe diskutieren, sind Sonderverfahren wie das Lichtbogenlöten (DVS-Merkblatt 0938-2) oder zukunftsweisende Themen, zu denen neben dem MAG-Schweißen dicker Bleche (DVS-Merkblatt 0925) auch die Klassifizierung moderner Prozessregelvarianten (DVS-Merkblatt 0973) gehört. Auch Arbeitsschutzthemen, wie die Reduzierung von Schweißrauchen, fließen zunehmend in unsere Betrachtungen ein.
 

Welche Herausforderungen sind für die Arbeitsgruppe derzeit besonders relevant?

Michael Schmitz: Neben den rasanten technologischen Entwicklungen stehen wir vor einer grundlegenden, strukturellen Herausforderung: Wir wollen neue Mitglieder für die aktive Mitarbeit in unserer Arbeitsgruppe begeistern. Hier sprechen wir besonders diejenigen an, die das Metallschutzgasschweißen praktisch anwenden.  

Das Engagement im DVS basiert vollständig auf dem Ehrenamt und einem starken, persönlichen Einsatz. Da diese zusätzliche Tätigkeit im stressigen Berufsalltag bei vielen Fachleuten oft etwas zu kurz kommt, möchte ich diese Plattform hier ganz bewusst nutzen, um allen aktuellen Mitgliedern unserer Arbeitsgruppe meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Was hier neben dem Hauptberuf an Facharbeit geleistet wird – wie man auch an den vielen aktuellen Projekten sieht – ist absolut keine Selbstverständlichkeit.

Um das Regelwerk weiterhin so nah an der Werkstattpraxis zu halten, brauchen wir genau diesen Input von den Anwendern. Unser Appell an die Fachleute in den Betrieben lautet daher: Bringen Sie sich und Ihre Praxiserfahrung ein! Davon profitiert am Ende die gesamte Branche. 

Michael Schmitz
Obmann der AG V2. 4

Bringen Sie sich und Ihre Praxiserfahrung in unsere Arbeitsgruppe ein! Davon profitiert am Ende die gesamte Branche.

Welche Bedeutung hat die Regelwerksarbeit für das Metallschutzgasschweißen?

Michael Schmitz: Eine fundamentale Bedeutung, und zwar weit über die reine Technik hinaus. 

Das MSG-Schweißen ist das Rückgrat der metallverarbeitenden Industrie. Unsere Regelwerksarbeit sorgt dafür, dass aus technologischen Innovationen verlässliche und sichere Standards für die Praxis werden. 

Hier liegt ein entscheidender Standortvorteil für Deutschland: Durch die enge Verzahnung von Forschungsinstituten, Geräteherstellern und Anwendern in den DVS-Gremien schaffen wir Richtlinien, die weltweit als Qualitätsmaßstab gelten. Ein klares, praxisnahes Regelwerk gibt unseren Unternehmen Rechtssicherheit, minimiert Einführungskosten für neue Technologien und sichert das hohe Qualitätsniveau, für das deutsche Produkte international geschätzt werden. Wer sich an diesen Standards orientiert, sichert sich einen technologischen Vorsprung auf dem globalen Markt.

In diesem Jahr wurde das DVS-Merkblatt 0973-1 veröffentlicht. Was war die Intention und welche Vorteile bietet es dem Anwender? 

Michael Schmitz: Das im Juli 2026 neu veröffentlichte DVS-Merkblatt 0973-1 ersetzt die alte Fassung aus dem Jahr 2019. Die grundlegende Intention für unsere Überarbeitung des Merkblatts war, dem Anwender eine technologische Orientierung in einem Markt zu bieten, der durch die schnelle Entwicklung digital gesteuerter, programmierbarer Schweißgeräte zunehmend unübersichtlich geworden ist. 

Da fast jeder Hersteller eigene, firmenspezifische Namen für seine Prozesse nutzt, fällt den Anwendern die Orientierung zunehmend schwer, da die Systeme auf den ersten Blick schwer zu vergleichen sind. Das neue Merkblatt bricht die unterschiedlichen Technologien logisch auf – von der Gerätetechnik bis zum physikalischen Werkstoffübergang. Der Anwender erhält damit einen Leitfaden, um das erweiterte Prozessfenster moderner MSG-Anlagen sicher und wirtschaftlich auszuschöpfen.

Kann das Merkblatt Anwendern als Marktübersicht dienen und auf diese Weise für mehr Transparenz zwischen verschiedenen Anbietern sorgen?

Michael Schmitz: Genau das ist der Kern des neuen Beiblatts 1 zum DVS-Merkblatt 0973-1. Es fungiert als eine Art „Übersetzungsmatrix“. Es listet die am Markt verfügbaren, herstellerspezifischen Markennamen auf und ordnet sie den standardisierten technologischen Prozessregelvarianten zu. 

Für den Anwender bedeutet das maximale Transparenz: Er kann nun direkt vergleichen, welche Funktion von Hersteller A der Funktion von Hersteller B entspricht. Das erleichtert die Beschaffung, die Verfahrensprüfung und die tägliche Arbeit in der Produktion enorm. Ein wesentlicher Fortschritt der neuen Version ist zudem, dass zahlreiche neue Herstellermeldungen dazugekommen sind. Diese halten über ein standardisiertes Verfahren Einzug in das Beiblatt: Der jeweilige Hersteller stellt seine Prozesse einmal persönlich im Rahmen unserer Arbeitsgruppensitzung vor, um eine Plausibilitätsprüfung zu gewährleisten – eine DVS-Mitgliedschaft ist dafür keine Pflicht.

Ganz neu und hochrelevant für die Praxis ist zudem die Klassifizierung „Emissionsreduzierender Prozess”.

Unterstützt dieses Merkblatt Anwender neben der Marktorientierung auch beim Verständnis der Prozessregelvarianten?

Michael Schmitz: Ja, absolut. Im Gegensatz zu klassischen, physikalisch starr gekoppelten Stromquellen wird das Verhalten moderner Lichtbögen fast vollständig über Softwarealgorithmen geregelt. Das Merkblatt liefert eine klare, verständliche Klassifizierung dieser Regelungsmechanismen. Es erklärt herstellerneutral, wie und warum bestimmte Eingriffe in den Strom- und Spannungsverlauf den Werkstoffübergang und die Lichtbogenstabilität positiv beeinflussen. 

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Schneidewind (DVS) mit Michal Schmitz im Juli 2026 

Bringen Sie Ihr Wissen ein. Und profitieren Sie vom fachlichen Austausch.

Standards werden von den Menschen entwickelt, die sie benötigen – das könnten auch Sie sein. Die DVS-Arbeitsgruppen bestehen aus Fachleuten, die sich in der Branche oder in dem Fachbereich bestens auskennen. Wenn Sie an der Gestaltung zukünftiger DVS-Richtlinien und -Merkblätter in Ihrem Fachgebiet mitwirken möchten, wenden Sie sich an die DVS-Arbeitsgruppe V2.4.

HIER ERFAHREN SIE MEHR DARÜBER