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Digitalisierung in der Fügetechnik

Die Digitalisierung verändert die Füge-, Trenn- und Beschichtungstechnik – tiefgreifend, schnell und mit wachsender Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit, Qualität und Effizienz. Genau deshalb beleuchtet das aktuelle DVS-Schwerpunktthema den Status quo zur Digitalisierung: Es gibt Einblicke in die Branchenumfrage des DVS aus dem Herbst 2025, fasst den Stand der Technik in der Schweißtechnik zusammen, gibt Orientierung zu Förderprogrammen und lässt Expertinnen und Experten aus dem DVS‑Netzwerk zu Wort kommen. 

Ziel dieses Schwerpunktthemas ist es, Einblicke zu geben, Denkanstöße zu liefern und Unternehmen Mut zu machen, ihren Weg der digitalen Transformation aktiv zu gestalten.

DVS-Umfrage und Einblicke

Wie digital ist die Schweißtechnik in Deutschland wirklich? Und was muss geschehen, damit sie im internationalen Vergleich nicht den Anschluss verliert? Diese Fragen sind aktueller denn je – denn die Digitalisierung verändert nicht nur Prozesse, sondern auch komplette Branchen oder Wirtschaftszweige. Um ein realistisches Bild von der aktuellen Situation in der Fügetechnik zu zeichnen, hat die DVS-Arbeitsgruppe „Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Schweißtechnik“ im Herbst 2025 zwei komplementäre Ansätze verfolgt: 

1. Zum einen wurde eine Branchenbefragung im DVS-Netzwerk durchgeführt, die Einblicke in die tatsächliche Umsetzung und Wahrnehmung digitaler Prozesse in der Praxis liefert. 

2. Zum anderen wurde der aktuelle Stand der Technik systematisch erfasst, um den technologischen Rahmen der Digitalisierung in der Schweißtechnik abzustecken.

Über 160 Unternehmen teilten ihre Einschätzung zu Digitalisierungsgrad, Herausforderungen und Potenzialen in der Branchenbefragung. Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl Fortschritte als auch große Entwicklungsspielräume – insbesondere bei Infrastruktur, Know‑how und organisatorischen Voraussetzungen. Die Umfrageergebnisse hat der DVS in einem Artikel in der SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN zusammengefasst.

 

Jetzt den Artikel in der SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN, Ausgabe 12/2025, lesen

Kernaussagen und Entwicklungen der DVS-Umfrage

Die Ergebnisse der DVS-Umfrage aus dem Herbst 2025 zur Digitalisierung der Fügetechnik sind in der Dezemberausgabe der SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN ausführlich dargestellt. Die Kernaussagen sowie den Stand der Technik haben wir hier für Sie stichpunktartig zusammengefasst:

Schweißprozesse

Echtzeit-Sensorik, digitale Schnittstellen, Fernüberwachung, flexible Parametereinstellung für kleinere Losgrößen und Variantenfertigung

Qualitätssicherung

Einsatz von Bildverarbeitung, Sensorfusion, Deep Learning zur Fehlererkennung und Qualitätsprognose in Echtzeit

Datenmanagement

Fokus auf Qualität, Datenschutz und Big Data; geringe Cloud-Nutzung; Daten selten als strategisches Asset betrachtet; begrenzte systematische Auswertung

Simulation

Nutzung digitaler Zwillinge zur Planung und Optimierung; Analyse thermischer Spannungen, Verzug und Belastungsverhalten

Automatisierung

zunehmende Integration in vernetzte Produktionslinien; Bedarf an flexiblen, modularen Systemen; Offline-Programmierung und Simulation

Predictive Maintenance

vorausschauende Wartung zur Minimierung von Stillständen; datenbasierte Modelle für bessere Planbarkeit und längere Lebensdauer

Aus- und Weiterbildung

Einsatz von Augmented Reality und Virtual Reality zur Schulung; Echtzeit-Anleitungen; digitale Kompetenz als zentrale Qualifikation; kontinuierliches Lernen erforderlich

Treiber der Digitalisierung

Effizienzdruck, technologische Fortschritte, regulatorische Anforderungen; Bedarf an dokumentierten Prozessen und digitalen Nachweisen

Investitionskosten

relativ hohe Einstiegskosten, besonders für kleine und mittlere Unternehmen; Return on Investment (ROI) entscheidend für Investitionsentscheidung; Software, Schulung und Hardware als Hauptkostentreiber; unterschiedliche Amortisationszeiträume

Komplexität & Integration

Heterogenität, fehlende Schnittstellen, proprietäre Systeme; Bedarf an offenen Standards; große Herausforderungen bei der Vernetzung unterschiedlicher Herstellerlösungen

Kompetenz & Qualifikation

oftmals geringe digitale Vorkenntnisse bei den Mitarbeitenden; hoher Schulungsbedarf; vielfältige Ansätze zum Know-how-Transfer; Akzeptanzprobleme bei Mitarbeitenden durch abstrakte Themen, Skepsis und Sorge vor Überwachung

 

Interview mit Jan Pitzer „Wer sich gut vernetzt, der findet"

Einer der Autoren des oben erwähnten Artikels aus der SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN, Ausgabe 12/2025, ist Jan Pitzer. Er engagiert sich seit mehr als 15 Jahren im DVS – und ebenso lange begleitet er als Experte die Entwicklung der Branche. Heute unterstützt er als selbstständiger Dienstleister insbesondere kleine und mittlere schweißtechnische Betriebe bei der Prozessoptimierung, Automatisierung und Digitalisierung. Außerdem ist er Mitglied der DVS-Arbeitsgruppe „Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Schweißtechnik“.

Hier gibt er Einblicke in die Förderlandschaft und die Möglichkeiten, die zum Beispiel die DVS-Bezirksverbände Unternehmen der Fügetechnik bieten.

 

Fördermöglichkeiten im Blick behalten

Als Berater von schweißtechnischen Betrieben in Technologie- und Digitalisierungsfragen ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Auch was die Förderprogramme angeht, denn die Förderlandschaft in Deutschland ist sehr komplex. Pitzer empfiehlt deshalb ein strukturiertes Vorgehen und regelmäßige Informationsrecherche. „Es gibt Programme der EU, des Bundes und zahlreiche regionale Förderungen. Deshalb lohnt es sich, strukturiert vorzugehen und regelmäßig aktuelle Informationen einzuholen. Ein klassischer erster Anlaufpunkt sind die Webseiten der KfW. Dort finden sich in diesem Jahr zwei neue, große Förderprogramme für Digitalisierungsprojekte. Die Informationen sind gut aufbereitet und bieten Unternehmen eine solide Orientierung“, sagt er.

Von Best Practices und Netzwerken profitieren

Neben offiziellen Stellen wie der KfW, der Bundesnetzagentur oder digitalen Förderdatenbanken rät Pitzer Unternehmen, gezielt den Blick über den Tellerrand zu werfen: Best-Practice-Beispiele, Erfahrungsberichte anderer Betriebe – und nicht zuletzt moderne Recherchetools wie Suchmaschinen oder Sprachmodelle – bieten wertvolle Hinweise und Orientierung.

Eine besondere Rolle können dabei die DVS-Bezirksverbände (BV) übernehmen. Diese bieten regionalen Raum für Austausch, Erfahrungsberichte und praxisorientierte Einblicke. „Gerade dort findet man Menschen, die Digitalisierungsprojekte bereits umgesetzt haben und bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen“, sagt Pitzer, „Wer sich gut vernetzt, der findet auch Lösungswege.“

Die Bedeutung des DVS-Netzwerks

Mit mehr als 60 Bezirksverbänden bildet der DVS eine starke Struktur für Wissensaustausch zwischen Industrie, Wissenschaft und Anwendern. Vorträge, Diskussionen und Exkursionen ermöglichen es, Trends und erfolgreiche Digitalisierungsbeispiele zu erleben – oft aus erster Hand.

Das vollständige Interview mit Jan Pitzer lesen Sie im DVS MAGAZIN EINS|26, das im Mai 2026 erscheint.

Jan Pitzer
DVS-Arbeitsgruppe „Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Schweißtechnik“

„Ein Netzwerk ist keine Einbahnstraße. Wer Kontakte möchte, sollte auch etwas einbringen. Erfolgsgeschichten entstehen dort, wo Menschen ihr Wissen teilen – und genau diese Offenheit braucht die Digitalisierung.“

Schritt für Schritt: Förderprogramme für Digitalisierungsprojekte richtig nutzen

Jedes Unternehmen ist individuell. Seine Herangehensweisen und Wünsche an Fördermöglichkeiten ebenso. Deshalb hier ein paar wenige Tipps, die Sie nicht außer Acht lassen sollten, wenn Sie darüber nachdenken, Ihr Projekt zur Digitalisierung Ihres Unternehmens fördern zu lassen:

  • Umfassend informieren 

Das DVS-Netzwerk bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu informieren. Ob in den DVS-Bezirksverbänden, in den DVS-anerkannten Bildungsstätten, bei den DVS Events, in den DVS-Fachmedien (wie DER PRAKTIKER, SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN, HOME OF WELDING etc.) oder bei den DVS-Beteiligungsgesellschaften – sie alle halten vielfältige Informations- und Weiterbildungsangebote bereit.

  • Frühzeitig planen

Definieren Sie klar, welche Prozesse digitalisiert werden sollen. Eine saubere Ausgangsanalyse erleichtert die Auswahl passender Förderprogramme und spart später Zeit.
 

  • Digitale Antragstellung vorbereiten

Die meisten Förderprogramme laufen über Onlineportale. Sorgfalt bei der Dateneingabe, technische Vorbereitung und vollständige Unterlagen sind entscheidend.
 

  • Eigenanteil & Nachweise einplanen

Viele Programme erfordern einen finanziellen Eigenanteil sowie regelmäßige Fortschrittsberichte. Kalkulieren Sie diese Anforderungen im Budget und im Projektablauf ein.
 

  • Kooperationen nutzen

Gemeinsame Vorhaben mit anderen KMU oder Forschungseinrichtungen steigern die Chancen auf Förderung – und schaffen zusätzliche Innovationsimpulse.

Einladung zum Wissens- und Erfahrungsaustausch

Sie haben in Ihrem fügetechnischen Betrieb soeben eine ganze Fertigungskette digitalisiert? Oder kennen sich mit der konkreten Umsetzung von Digitalisierungsprojekten in Unternehmen aus? Wissen, wie es funktioniert und was es zu beachten gilt? Dann sind Sie bei der DVS-Arbeitsgruppe „Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Schweißtechnik“ richtig. Denn: Die Digitalisierung in der Schweißtechnik eröffnet zahlreiche Chancen, stellt Unternehmen jedoch auch vor komplexe Herausforderungen  – insbesondere kleine und mittlere Betriebe. Um den Wissenstransfer zu fördern und praxisnahe Lösungen zu diskutieren, lädt der DVS interessierte Unternehmen zu einem offenen Erfahrungsaustausch ein.

Ziel ist es, gemeinsam den Stand der Technik zu beleuchten, beispielhafte Projekte vorzustellen und Wege aufzuzeigen, wie Digitalisierung in der Schweißtechnik effizient und wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Unternehmen, die ihre Erfahrungen teilen oder sich über aktuelle Entwicklungen informieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Schweißtechnik

Ihr Kontakt im DVS

Ihr Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck