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Interview mit Florian Müller Aus Daten lernen, auf Wissen bauen

Florian Müller, Geschäftsführer der FusionIQ Systems GmbH, ist einer von drei Unternehmensgründern, die wir im DVS MAGAZIN EINS|26 vorstellen. Im ausführlichen Interview aus www.dvs-home.de berichtet er, warum Digitalisierung ohne Menschen nicht funktioniert, wie sich Expertenwissen und Daten sinnvoll ergänzen – und weshalb sein Unternehmen, das er gemeinsam mit Dr.-Ing. Richard Meyes führt, bewusst auf Begleitung und Beratung statt auf Standardprodukte setzt. 

Wie ist die Idee für Ihr Unternehmen entstanden? 

Florian Müller (FM): „Die Idee für unser Unternehmen war ein Prozess.  Wir denken alle unternehmerisch, aber der eigentliche Anstoß kam aus einem Forschungsprojekt heraus. Die Entscheidung, ein Unternehmen aufzubauen und uns intensiv mit Prozessdaten auseinanderzusetzen, fiel schnell. Der Weg zum konkreten Geschäftskonzept dagegen brauchte ein paar „konspirative Treffen“ und lebhafte Diskussionen. 

Mein Co-Geschäftsführer, Dr.-Ing. Richard Meyes, und ich sind erst in dieser Phase zu dem Team gestoßen, das bereits im Rahmen vom Forschungsprojekt „ASIMoW“ zusammengearbeitet hat. Gemeinsam haben wir reflektiert, welcher Bedarf wirklich am Markt herrscht. Dabei wurde deutlich: Unsere Kunden benötigen keine weitere Kauflösung, sondern sie benötigen vor allem auch Kompetenz, diese in ihre eigene Unternehmensinfrastruktur einzubinden. Solche Gespräche sind sehr wertvoll. Als Unternehmen sollten wir uns immer wieder die Frage stellen: Passt unser Produkt wirklich zum Markt und löst es reale Probleme löst?“

Wie sind Sie zu dem Forschungsprojekt gekommen?

FM: „Das Forschungsprojekt „ASIMoW“, das zur Gründung führte , wurde von einigen meiner Mitgründer bei der FEF Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Fügetechnik GmbH und dem Institute for Technologies and Management of Digital Transformation initiiert. Die Kolleginnen und Kollegen von der FEF waren selbst jahrelang im Bereich Forschung am Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik (ISF) der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) tätig. Dort haben sie zahlreiche Vorhaben der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung, im Programm der „Industriellen Gemeinschaftsforschung“ (IGF) betreut – insbesondere zur Digitalisierung bzw. Prozessdatenüberwachung. Nach einiger Zeit in der Industrie war uns klar, dass der Bedarf an Forschung bleibt. Vor allem haben wir erfahren, dass es sinnvoll ist, informationstechnische Expertise im Rahmen eines Forschungsprojekts systematisch einzubinden. Das war der Startpunkt.“

 

Was waren die entscheidenden Schritte für die Gründung Ihres Unternehmens?

FM: „Der erste Schritt war definitiv das klare Commitment vom ISF der RWTH Aachen, vom Institute for Technologies and Management of Digital Transformation der Bergischen Universität Wuppertal sowie der FEF. Unsere Arbeitgeber haben uns unterstützt, indem sie uns den Freiraum gegeben haben, den Aufbau eines neuen Unternehmens ernsthaft zu verfolgen. Seit der Gründung ging kontinuierlich aufwärts. Unseren Erfolg einzelnen Projekten zuzuordnen, fällt deshalb schwer. Bisher bieten wir unseren Kunden und Partner vor allem stark maßgeschneiderte Lösungen und unser Dienstleistungsportfolio an. Ein geplanter „Major Step“ ist daher die Vorstellung unseres ersten konkreten Produkts, das wir im zweiten Quartals 2026 präsentieren werden.“

An welchen Stellen sind Sie stolz auf sich und Ihr Unternehmen?

FM: „Ich bin sehr stolz auf unser Team. Zwar beschäftigen wir uns mit Software und KI, sind aber kein klassisches Start-Up mit Fremdfinanzierung oder Investorenrunden. Wir alle arbeiten parallel noch in anderen Jobs. Gerade zum Zeitpunkt unserer Gründung ist viel Arbeit „nebenher“ angefallen – und dennoch haben wir alle an einem Strang gezogen. Hier ist es definitiv von Vorteil, dass wir alle schon einiges an Berufserfahrung im Umgang mit Industriekunden haben. Wir wissen, wie Industrieprojekte funktionieren und worauf es am Ende ankommt. Entsprechend gut kann ich mich auf meine Kollegen verlassen.“

Welche Bedeutung hat der DVS für Ihr Unternehmen?

FM: „Der DVS gilt zu Recht als der zentrale strategische Partner für Marktzugang, Standardisierung und Forschungstransfer in der Schweißtechnik. Wir haben bereits erste Kontakte zu IGF-Vorhaben geknüpft, die für uns entwicklungstechnisch besonders spannend sind.  Insbesondere in den kommenden Jahren wird der DVS für uns das zentrale Netzwerk sein, um die richtigen Entscheider kennenzulernen. Für mich persönlich ist der DVS auch deshalb so attraktiv, weil es immer um die Technik und um fachliche Themen geht.

An der Stelle bin ich aber auch voreingenommen, da ich mich selbst auch im Ausschuss für Technik in einer DVS-Arbeitsgruppe (AG) einbringe und die neu gegründete AG V 11.3 „Metall-Ultraschallschweißen“ als Obmann leite.“

 

Das Interview wurde im April 2026 geführt.