Der Female Impact Summit bringt jährlich rund 120 Führungspersönlichkeiten aus der DACH‑Region zusammen, um aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu diskutieren. Initiatorin Prof. Yu Zhang setzt dabei bewusst auf Vielfalt – auch mit Blick auf technische Branchen, in denen Frauen nach wie vor seltener vertreten sind.
In diesem Kontext nimmt Susanne Szczesny‑Oßing, Präsidentin des DVS und erfahrene Familienunternehmerin, in diesem Jahr eine Vorbildfunktion ein. In der Rolle eines „Role Models“ bringt sie langjährige Erfahrung aus Industrie, Unternehmertum, Verband sowie wirtschaftspolitischem und gesellschaftlichem Engagement in den Summit ein.
Im gemeinsamen Interview sprechen Zhang und Szczesny‑Oßing darüber, weshalb Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen relevant ist, wie Netzwerke wirksam werden können und welche Impulse der Summit setzen möchte.
Yu Zhang: „In jedem Jahr lade ich rund 120 Entscheidungsträgerinnen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus der gesamten DACH-Region nach Berlin ein. Dabei lege ich großen Wert auf Vielfalt – nicht nur in Bezug auf Regionen und Generationen, sondern auch auf die Branche. Ich bin aus eigener Erfahrung fest überzeugt: Menschen profitieren am meisten voneinander, wenn sie aus unterschiedlichen beruflichen Welten kommen und entsprechend verschieden denken, argumentieren, entscheiden und handeln.
Gerade deshalb dürfen technische Berufe und Frauen aus diesen Bereichen bei dem Summit nicht fehlen – sie sind statistisch nach wie vor stark unterrepräsentiert. Als ich Susanne Szczesny-Oßing in Berlin kennengelernt habe, war sie mir als erfahrene Unternehmerin sofort sympathisch. Im weiteren Austausch war ich beeindruckt von ihren technischen Kenntnissen und ihrem unternehmerischen Wirken. Frauen, die die betriebswirtschaftliche und die technische Sicht zusammenbringen und noch dazu aus der hochspezialisierten Füge-, Trenn- und Beschichtungstechnik , sind nach wie vor viel zu selten zu finden.
Um jungen Frauen mehr Vertrauen in ihre Kompetenzen in technische Berufe und in Führungspositionen zu vermitteln, war für mich klar: Susanne Szczesny-Oßing muss als Role Model noch sichtbarer werden. Dies haben wir im Rahmen unserer bundesweiten Plakatkampagne für den 4. Female Impact Summit umgesetzt. Das ist eine bewusste Entscheidung und soll Symbolwirkung haben."
Yu Zhang: „Ich bin in Südchina geboren und aufgewachsen. Als Jugendliche habe schon früh erlebt, welche zentrale Rolle Vernetzung in einer Gesellschaft spielt. Dieses verbindende Denken prägt mich bis heute. Vor vielen Jahren habe ich für das manager magazin einen Artikel über Netzwerke geschrieben. Darin habe ich Netzwerken mit einem Vogelnest oder einem Spinnennetz verglichen: Wege verlaufen nicht linear von A nach B, sondern führen über viele Zwischenstationen – von A über C bis Z. Gerade diese nicht-linearen Verbindungen machen Netzwerke so wirksam.
Deshalb liegt mir der interdisziplinäre Austausch besonders am Herzen. Unterschiedliche Denkweisen, Fachlogiken, Hintergründe und Handlungsansätze befruchten sich gegenseitig und eröffnen neue Perspektiven. Übrigens, noch eine Parallele, die mich mit Susanne Szczesny-Oßing verbindet. Wir beide wissen um die Stärke und Tragfähigkeit von Netzwerken. Hinzu kommt ein strukturelles Thema: In Deutschland existiert noch immer ein vergleichsweise konservatives Rollenbild. Männer knüpfen Geschäfte beim Golf oder beim Zigarrenrauchen – doch wo finden Frauen adäquate Räume für professionelles Netzwerken? Frauen in Führungspositionen brauchen Plattformen, die ihrer Realität und ihrem Anspruch gerecht werden. Viele Frauen lehnen Netzwerken dennoch innerlich ab, weil sie es mit Selbstdarstellung oder Machtspielen verbinden. Dabei liegen ihre Stärken genau dort, wo das wirkungsvolle Netzwerken beginnt: im Zuhören, in der Empathie und im langfristigen Denken.
Ein weiterer, sehr persönlicher Auslöser war die Zeit nach der Pandemie. Ich habe den direkten Austausch von Mensch zu Mensch stark vermisst. Also stellte ich mir die Frage: Warum nicht viele inspirierende Frauen auf einmal einladen und die verlorene Zeit bewusst nachholen? Aus dieser Idee wurden vor vier Jahren 120 Frauen.
Da ich stets dafür plädiere, dass Frauennetzwerke inhaltliche Substanz haben, entstand daraus ein kuratiertes Programm mit klarem Anspruch. Heute ist der Female Impact Summit etabliert. Im Kern ist er jedoch unverändert geblieben: ein Raum für interdisziplinären Austausch auf Augenhöhe. Und im Zentrum steht immer dieselbe Leitfrage: Was treibt Deutschland aktuell um – und welchen Beitrag können Entscheidungsträgerinnen leisten?"
Susanne Szczesny-Oßing: „Mich inspiriert die Wirkung, die gemeinschaftliches und verantwortungsvolles Engagement in Wirtschaft und Gesellschaft entfalten kann. Ich selbst bin stark durch mein Familienunternehmen geprägt – ein Umfeld, in dem Zusammenhalt und Teamplay selbstverständlich sind. Als Teil einer starken Unternehmerfamilie und eines starken Teams im Unternehmen hat mich dieses Bewusstsein mein gesamtes Berufsleben begleitet.
In meinen leitenden Funktionen setze ich mich seit vielen Jahren für einen wertschätzenden, bestärkenden und verlässlichen Umgang in der Zusammenarbeit ein. Das gewinnt besondere Bedeutung in der Fügetechnik, die traditionell männlich geprägt ist und in der die Sichtbarkeit weiblicher Fach und Führungskräfte entscheidend für berufliche Wege sein kann. Gerade für junge Frauen ist die persönliche Ansprache durch weibliche Vorbilder wichtig. Hier möchte ich mit meiner Arbeit anknüpfen.
Der Summit ist für mich ein Ort, an dem genau diese Werte sichtbar werden: gemeinsames Denken, gegenseitige Unterstützung und der Wille, Zukunft zu gestalten. Frauenförderung ist für mich auch Wirtschaftsförderung – weil Unternehmen erfolgreicher sind, wenn vielfältige Perspektiven zusammenkommen.“
Susanne Szczesny-Oßing: „Die Fügetechnik ist eine Schlüsseltechnologie – ohne sie funktioniert weder Maschinenbau noch Mobilität oder Infrastruktur. Auch unser tägliches Leben ist ohne das Fügen, Trennen und Beschichten undenkbar. Lange wurden diese Technologiefelder als klassische Domäne für Ingenieure wahrgenommen, doch genau hier zeigt sich, wie wichtig vielfältige Perspektiven sind. Frauen können andere Herangehensweisen einbringen – sei es bei Prozessen, in der Zusammenarbeit oder in der Qualität technischer Lösungen.
Auf meinem eigenen Weg habe ich erlebt, wie wichtig es ist, mit seinen Fähigkeiten im beruflichen Kontext wahrgenommen zu werden – insbesondere für Frauen in technischen Berufsfeldern und Branchen. In der Fügetechnik oder den klassischen MINT Feldern braucht es Frauen, die ihre Kompetenzen bewusst zeigen und damit bestehende Vorstellungen verändern.
Orientierung entsteht häufig durch Vorbilder: Persönlichkeiten, die zeigen, dass technische Expertise und weibliche Führung selbstverständlich zusammengehören. Sie ermutigen junge Frauen, selbst nach vorne zu treten, eigene Wege zu gehen und Rollen einzunehmen, die lange Zeit als eher „untypisch“ galten.
Diese Vorbilder inspirieren Nachwuchskräfte und tragen mit ihrer Arbeit ebenso dazu bei, dass Unternehmen innovativer und resilienter werden. Frauen in der Fügetechnik sind kein Zukunftsbild mehr, sondern längst Realität – und ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland.“
Das Interview führte Isabel Nocker (DVS) im Februar 2026.