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Quelle: Lothar Brademann/istock.com
Technik
26.08.2026
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Regelwerksarbeit bietet Orientierung

Schweiß­eigen­schaften von Alt­stählen rich­tig be­werten

Ob Straßen, Schienen oder Brücken – ein Großteil der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist vor mehr als 50 Jahren gebaut worden und kommt an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit, während der Verkehr weiter zunimmt. Viele Bauwerke stammen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, jedoch gehören auch Konstruktionen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zum Bestand.

Deshalb gewinnt die Sanierung bestehender Stahlkonstruktionen immer weiter an Bedeutung, um die Bauwerke länger nutzen zu können. Dies trifft insbesondere auf Brücken zu, die ein zentraler Bestandteil der Verkehrswege sind.
Vor jeder schweißtechnischen Sanierungsmaßnahme stellt sich jedoch eine wichtige Frage: Ist der vorhandene Altstahl überhaupt schweißgeeignet und unter welchen Bedingungen kann eine sichere Schweißverbindung hergestellt werden? Dabei stehen Ingenieure, Planer und ausführende Unternehmen häufig vor einer grundlegenden Herausforderung: Die Eigenschaften der ursprünglich verwendeten Stahlwerkstoffe sind oftmals nicht ausreichend dokumentiert. Sogenannte Altstähle sind vor 1960 erschmolzen worden und zeichnen sich durch teilweise kritische metallurgische- und Zähigkeitseigenschaften aus. Durch ihre exponierte Stellung und die aktuell weiter steigenden Anforderungen an Bauwerke der Infrastruktur kommen auf diese Werkstoffe erhöhte Anforderungen zu. Oftmals steht die Frage im Raum, ob ein gealterter Stahl schweißtechnisch verarbeitet werden kann oder nicht und welche Gefahren von einer möglichen Schweißung ausgehen können.

DVS-Merkblatt 1716 bietet Orientierung

Um Planern, Prüfstellen und ausführenden Unternehmen eine praxisgerechte Grundlage für die Bewertung historischer Stahlwerkstoffe zur Verfügung zu stellen, hat die DVS-Arbeitsgruppe (AG) A 5 „Schweißen im Bauwesen“ das Merkblatt DVS 1716 „Eigenschaftsbestimmung von Altstählen – Schweißeignungsbewertung“ erarbeitet. Das Dokument ergänzt die bestehenden Aktivitäten des DVS zur schweißtechnischen Bewertung historischer Eisen- und Stahlwerkstoffe und greift den wachsenden Bedarf im Bereich des Bauens im Bestand auf.

Das Merkblatt verfolgt das Ziel, eine systematische Vorgehensweise zur Ermittlung relevanter Werkstoffeigenschaften und zur anschließenden Bewertung der Schweißeignung bereitzustellen. Es bietet erstmals eine konkrete Definition des Begriffes „Altstahl“ und enthält Orientierungswerte, die bei der Bewertung von Materialien helfen.

„Mit dem neuen Merkblatt steht der Fachwelt nun eine praxisorientierte Hilfestellung zur Verfügung, um Altstähle systematisch zu untersuchen und ihre Schweißeignung fundiert zu bewerten“, betont Christoph Gajda, Fachbereichsleiter Bauteilprüfung und Werkstofftechnik an der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt (SLV) Halle, der federführend an dem Merkblatt mitgearbeitet hat.

Auf dem DVS CONGRESS stellt Christoph Gajda in seinem Vortrag „Neue Empfehlungen zur sicheren Eigenschaftsbewertung von Altstahl - praxisgerechte Hinweise für das Bauwesen“ neben anderen Themen auch das neue Merkblatt vor.

 

Weitere Informationen

DVS-Arbeitsgruppe A 5 Schweißen im Bauwesen
 DVS CONGRESS 2026: Programm und Anmeldung