Rund 30 Fachkräfte aus der Industrie trafen sich auf Einladung der DVS Forschung im Maternushaus in Köln zum Workshop „Widerstandsschweißen 2030“. Lisa Rauscher M. Sc., Technische Referentin im DVS und Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der DVS Forschung diskutierten mit den Teilnehmenden zentrale Fragen zur Zukunft dieser Fügetechnologie, um strategische Forschungsfelder für die nächsten Jahre zu bestimmen.
Zentrale Erkenntnisse des Strategie-Workshops bündelten die Teilnehmenden in sechs Themenfelder.
Hohe operative Dringlichkeit statt langfristiger Grundlagenforschung
Ein wesentliches Ergebnis des Workshops ist die ungewöhnlich klare Einordnung nahezu aller priorisierten Themen in den kurzfristigen Zeithorizont (0–2 Jahre). Die identifizierten Themen sind nicht als fernliegende Forschungsfragen zu verstehen, sondern als konkrete, zeitnah umzusetzende Entwicklungs- und Transformationsaufgaben. Dies betrifft insbesondere die Digitalisierung und Prozessintelligenz, die Werkstoff- und Fügetechnologien, die Qualitätssicherung und Nachweisverfahren sowie den Wissenstransfer und die Industrialisierung.
Werkstoff und Fügestelle als zentrale Innovationshebel
Das Thema „Werkstoff und Fügestelle“ identifizierten die Fachleute sowohl in der Breite als auch in der Priorisierung als dominierenden Themenschwerpunkt. Im Fokus stehen neue Werkstoffkombinationen und -systeme, Kreislaufwirtschaft und Recyclingfähigkeit, werkstoffgerechte Prozessparameter sowie Fügetechnologien für neue Materialklassen.
Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit wird maßgeblich durch die Fähigkeit bestimmt, neue Werkstoffe sicher, reproduzierbar und wirtschaftlich zu fügen.
Digitalisierung und Daten als Schlüssel zur nächsten Entwicklungsstufe
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Prozessführung. Dazu gehören die Themen Datensammlung und -verfügbarkeit für Künstliche Intelligenz (KI), Identifikation relevanter Prozessparameter, KI-basierte Qualitätsanalyse sowie digitale Prozessentwicklung.
Datenbasierte Modelle und KI werden als entscheidende Hebel zur Beherrschung von Komplexität und zur Sicherstellung von Qualität gesehen.
Qualitätssicherung als Enabler für neue Anwendungen
Die Entwicklung zerstörungsfreier Prüfverfahren sowie datenbasierter Qualitätsnachweise wurden als kritische Erfolgsfaktoren bewertet. Denn ohne belastbare und wirtschaftliche Qualitätsnachweise ist eine Übertragung der Technologie auf neue Anwendungen und Branchen nur eingeschränkt möglich.
Wissenstransfer als Engpass
Neben technologischen Themen wurde ein strukturelles Defizit deutlich. Dies manifestiert sich in einer fehlenden Systematik im Wissenstransfer, dem Bedarf an Methodenentwicklung und Dokumentation sowie der Notwendigkeit standardisierter Ausbildungs- und Transferformate.
Der Transfer von Wissen in die industrielle Anwendung stellt einen wesentlichen Engpass für die Skalierung der Technologie dar.
Integration und Nutzbarkeit als unterschätzte Erfolgsfaktoren
Die Diskussion zeigte, dass neben technologischer Leistungsfähigkeit auch andere Aspekte entscheidend sind, so zum Beispiel die Plug-&-Play-Fähigkeit, ein reduzierter Ramp-Up sowie ein geringerer Betreuungsaufwand.
Die Fachleute waren sich einig, dass die zukünftige Akzeptanz der Technologie stark davon abhängen wird, wie einfach und robust sie in industrielle Prozesse integrierbar ist.
Die Ergebnisse werden zu einer Roadmap für das Widerstandsschweißen zusammengeführt. Sie dient als Basis für die vorwettbewerblichen Forschungsaktivitäten der DVS Forschung in den kommenden Jahren und gibt Orientierung für die Branche.
Die Roadmap wird demnächst auf dem DVS Portal veröffentlicht.
Fachausschuss Widerstandsscheißen (FA 4)